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Erde aus Verdun für die Friedenskirche

09. Jun 2026

Besucher aus Frankreich zu Gast in Speyer

Eine Urne mit Erde aus Verdun befindet sich seit einigen Tagen in der Pax-Christi-Kapelle der deutsch-französischen Friedenskirche St. Bernhard in Speyer.

„Gebeinhaus Douaumont – Schlachtfeld von Verdun“ ist die schlichte, kleine Marmorbox beschriftet. Ihr Inhalt erzählt eine schreckliche und hoffnungsvolle Geschichte gleichermaßen – von Feindschaft, Krieg und Tod, von Versöhnung, Freundschaft und Zukunft. Die Erde stammt von einem der blutigsten Schlachtfelder des Ersten Weltkrieges.

Eine Delegation aus Verdun übergab sie bei einem Besuch Ende Mai an die Speyerer pax christi-Bewegung und die Friedenskirche St. Bernhard. 

Zu den Gästen, die auf Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung nach Speyer gekommen
waren, gehörten Vertreter der Stiftung „Ossuaire de Douaumont“, die das berühmte Gebeinhaus von Verdun betreut. Es beherbergt die sterblichen Überreste von 130.000 nicht
identifizierten toten deutschen und französischen Soldaten. Rund 300 Tage und Nächte dauerte im Jahr 1916 die Schlacht von Verdun. Hunderttausende Soldaten verloren ihr Leben oder wurden verwundet.

Der Besuch der französischen Gruppe in Speyer begann am Grab von Bundeskanzler Helmut Kohl direkt bei der Kirche St. Bernhard. Dort legte die Delegation einen Kranz nieder. Der Historiker und Kohl-Biograph Dr. Theo Schwarzmüller erinnerte bei der kleinen Gedenkfeier an die herausragende Rolle Kohls für die europäische Einigung und die deutsch-französische Freundschaft.

Gespannt waren die Gäste auf den Besuch der Friedenskirche St. Bernhard. Paul Nowicki vom Vorstand der pax christi-Bewegung im Bistum Speyer erläuterte bei einer Führung die
Geschichte der Kirche und der Pax-Christi-Kapelle. Diese beherbergt Erde aus allen
Kontinenten, Erde aber auch von Schlachtfeldern, Soldatenfriedhöfen und anderen Orten menschlichen Leids. St. Bernhard wurde in den Jahren 1953 und 1954 von französischen und deutschen Christen gemeinsam als Friedenskirche errichtet.

In den Besuch eingebettet war eine Friedensandacht in der Pax-Christi-Kapelle. Dabei übergaben die französischen Gäste die Urne mit Erde vom ehemaligen Schlachtfeld
von Verdun an pax christi. Diese „Friedenserde“, so betonten sie, erinnere nicht nur an die unzähligen Opfer der Schlacht von Verdun, sondern zugleich an die Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich. Überaus eindrücklich war zudem die Erinnerung an den historischen Handschlag von Bundeskanzler Helmut Kohl und Frankreichs Präsident François Mitterrand 1984 über den Gräbern von Verdun – genau dreißig Jahre nach der Weihe der Friedenskirche St. Bernhard.

Norbert Rönn